05.12.2015

Schaffung und Sicherung hoher Altpapierqualität ist der gemeinsame Nenner

Berlin. Die durchaus vielschichtigen Interessen und Herausforderungen aller Beteiligten entlang der Wertschöpfungskette Altpapier lassen sich insbesondere in einem Punkt auf einen gemeinsamen Nenner bringen: Im Fokus auf hohe Altpapierqualität!  Wie und ob überhaupt eine nochmals gesteigerte Altpapierqualität zu ökonomisch vertretbaren Bedingungen für alle Beteiligten in einem Umfeld ausgereizter Erfassungsquellen produziert werden kann war Thema einer Diskussionsrunde auf dem 18. Internationalen Altpapiertag des bvse e.V. Ende April.   

Die Papierindustrie wie auch die Altpapierentsorgungswirtschaft begrüßen in diesem Zusammenhang grundsätzlich das Ziel einer Arbeitsgruppe des Europäischen Komitees für Normung CEN, erstmals anerkannte Messmethoden und Messtechnik für Altpapier zu entwickeln und festzuschreiben. Diese sollen es ermöglichen, die in der europäischen Altpapiersortenliste EN643 festgelegten, engen Obergrenzen für Feuchte, Fremdstoffe und unerwünschte Materialien im Altpapier zuverlässig zu ermitteln. Mit dem Prozess der Normenausgestaltung lasse man sich dabei bewusst Zeit, so Barry Read, Obman des CEN TC172, der dem interessierten Publikum zuvor Details zur Probennahme mit Hilfe der neuen Technik erläutert hatte. Zeit, die allen an der Altpapier-Kette Beteiligten Gelegenheit zur Mitwirkung bei der Ausgestaltung der neuen Norm gebe.   

Die Akzeptanz und Anwendung dieser Standards durch die Altpapieraufbereiter setze aber voraus, dass sie für alle Beteiligten nachvollziehbar, integrierbar und wirtschaftlich tragbar seien, sagte Andreas Uriel, ERPA-Delegierter und Mitglied des bvse-Fachverbandsvorstandes Papierrecycling. Entscheidend sei letztlich das Erfüllen der geforderten Altpapierqualität. Wie diese erreicht werde müsse weiterhin jedem Betrieb selbst überlassen bleiben. Gerade kleine und mittelständische Unternehmen fürchten mit Blick auf die neue Norm hohe zusätzliche Kosten durch Investitionen in Hightech-Anlagen, mit denen sie einseitig belastet würden. Aus Sicht der Altpapierlieferanten, so Herr Uriel, könne es daher ein Mehr an Sortiertiefe nur geben, wenn diese 1:1 von den Abnehmern vergütet werde.    

Im Gegensatz dazu hat sich die Papierindustrie bereits jetzt auf den Druck der Markenhersteller und Konsumenten, höchste Materialqualitäten bereitzustellen, eingestellt. So berichtete Henri Vermeulen, Vizepräsident des Bereiches Altpapier des Verpackungspapierherstellers Smurfit Kappa, von dem Unternehmensprogramm „Quality Control 2018“. Zur Einhaltung einer zertifizierten Qualitätssicherung sei bereits in die flächendeckende Erweiterung der technischen Ausstattung der zur Unternehmensgruppe gehörenden Papierfabriken mit Nahinfrarot- und Kernbohrgeräten zur Beprobung und Analyse des zugelieferten Altpapiers investiert worden.       

Für Dr.-Ing Johannes Kappen von der PTS- Papiertechnische Stiftung  gibt es ebenfalls mehr als nur einen Grund höchste Sorgfalt auf die Messung und Qualität des Altpapiers zu legen: Der frühestmögliche verbesserte Überblick auf die Qualitäten schaffe zum einen wichtige Verhandlungsgrundlagen für Verträge und könnte gleichzeitig im gemeinsamen Verständnis für die Handhabung der Qualitäten zu einer verbesserten gemeinsamen Steuerung von Abläufen in der Wertschöpfungskette führen. Die Einhaltung der EN 643 sei dabei nur ein Aspekt im Umgang mit Qualität. Darüber hinaus würde die umfassende Erhebung, Weitergabe und intelligente Nutzung von qualitätsbezogenen Informationen entlang der gesamten Papierwertschöpfungskette weitere erhebliche Vorteile in Bezug auf die Steigerung der Performance und Wirtschaftlichkeit bringen.

In Zukunft lassen sich so vielleicht sogar neue Geschäftsfelder eröffnen. Die Frage, wer zur Übernahme der Kosten für die aufwändigen und teilweise kapitalintensiven Messverfahren und -techniken in die Pflicht genommen wird sollte auf keinen Fall dazu führen, defensiv zu reagieren, so Kappen. Vielmehr gelte es heute mehr denn je Chancen zu sehen und verfügbar zu machen und eventuell sogar ein gemeinsames Kostenmodell in Erwägung zu ziehen.

 

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