- 26.-29.05. 2013 | BIR World Recycling Convention & Exhibition in Shanghai
- 04.06. 2013 | Landesversammlung Bremen/Niedersachsen
- 05.06. 2013 | Landesversammlung Hamburg/Schleswig-Holstein/Mecklenburg-Vorpommern
- 6./7.06.2013 | Fachtagung der Stadtreinigung Dresden
- 11./12.06. 2013 | 16. Internationaler Altkunststofftag in Bad Neuenahr
- 18.-19.06.2013 | eANV-Anwendertreffen in Magdeburg
- 27.06. 2013 | "Gefahrstoffe in der Praxis" in Bad Oeynhausen
- 05. - 07.09.2013 | recycling aktiv 2013 auf dem Baden-Airpark
- 18.07.2013 | Abfallwirtschaftliches Seminar zu Biogenen Reststoffen in München
- 26./27.09.2013 | bvse-Jahrestagung in Berlin



30.10.2012
Niederländische Recycling- und Entsorgungswirtschaft steckt in Sackgasse
Verfasserin: Marte-Marie Diewitz, Den Haag (August 2012)
Den Haag (gtai) - Die niederländische Recycling- und Entsorgungswirtschaft befindet sich in einer Sackgasse. Volumen und Umsatz der Branche nehmen ab. Gesetzesänderungen und eine neue Regierung könnten wieder für mehr Bewegung im Markt sorgen. Da der Wirtschaftszweig zeitverzögert auf die konjunkturelle Lage reagiert, wird eine Erholung wohl noch auf sich warten lassen. Für deutsche Unternehmen bieten sich dennoch Chancen, vor allem in der Zusammenarbeit an der Entwicklung neuer Technologien.
Marktentwicklung/-bedarf
Auch die niederländische Recycling- und Entsorgungswirtschaft spürt die allgemein gedämpfte Konjunktur. Das Abfallvolumen ist in den letzten Jahren nicht gewachsen und verzeichnet derzeit sogar einen leicht negativen Trend. Die Unternehmen der Branche hatten im vergangenen Jahr mit einem höheren Abfallaufkommen gerechnet. Die Preise der Branche stehen dementsprechend unter Druck. Dabei gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Abfallarten. So sind etwa die Preise von Papier und Metall noch stabil.
Laut Angaben des Branchenverbandes Vereining Afvalbedrijven lag der Umsatz des Entsorgungssektors 2011 bei rund 5,7 Mrd. Euro, die Tendenz ist abnehmend (2010: 6,0 Mrd. Euro). Das gesamte Abfallaufkommen der Niederlande betrug 2011 etwa 61 Mio. t. Die Energie, die aus dem Abfall gewonnen wird, hat einen Anteil von 15% an der nachhaltigen Elektrizitätsproduktion des Landes.
Das rückläufige Abfallaufkommen führt zu einer Überkapazität, unter anderem bei den waste-to-energy-Anlagen des Landes. Insgesamt gibt es davon in den Niederlanden zwölf mit einer Verbrennungskapazität von 7,5 Mio t, rund 10% mehr als für die nationale Entsorgung gebraucht werden. Als vorläufiger Abnehmer für die Überkapazität rückt der Import immer weiter in den Vordergrund. Die Einfuhr von Abfällen ist 2012 weiter gestiegen; vor allem aus dem Vereinigten Königreich werden zunehmend brennbare Abfälle eingeführt. Laut Einschätzung von Experten wird dieser Trend für weitere fünf Jahre anhalten. Da der Wirtschaftszweig mit Zeitverzug auf die konjunkturelle Entwicklung reagiert, rechnen Branchenkenner 2015 mit einem Anstieg des Volumens.
Struktur von Abfallentsorgung und Recycling in den Niederlanden (in %)
| Abfallart, Verwendung | 2007 | 2008 | 2009 | 2010 |
| Kommunale Abfälle | ||||
| .Recycling | 26 | 27 | 26 | 27 |
| .Verbrennung | 31 | 31 | 31 | 32 |
| .Deponien | 2 | 1 | 1 | 0 |
| .Kompostierung | 23 | 22 | 23 | 23 |
| Haushaltsabfälle | ||||
| .Recycling | 29 | 30 | 29 | 30 |
| .Verbrennung | 34 | 34 | 34 | 35 |
| .Deponien | 2 | 1 | 0 | 0 |
| .Kompostierung | 19 | 19 | 19 | 19 |
Quelle: Niederländisches Statistikamt CBS
Die weitere Entwicklung des Sektors hängt stark von der Bildung der neuen Regierung im September ab. Der bisherige Umweltminister Joop Atsma hat das Ziel gesetzt, die Recyclingquote bis 2015 von 80% auf 83% zu erhöhen. Wie intensiv und mit welchen Maßnahmen dieses Ziel verfolgt werden soll, wird jedoch die gewählte Regierung festlegen. Die zu Beginn 2012 abgeschaffte afvalstoffenbelasting (Abfallsteuer) könnte die Realisierung der 83%-Marke durchaus erschweren. Da demnach keine Steuern mehr für das Deponieren anfallen, befürchtet die Entsorgungswirtschaft, dass der Anteil des deponierten Mülls ansteigen könnte.
"Für deutsche Firmen bestehen durchaus Chancen für die Zusammenarbeit bei der Entwicklung von neuen Technologien", so Friso Noordhoek von der Branchenzeitschrift Afvalonline. Zudem rollt derzeit im nationalen Entsorgungssektor eine Übernahmewelle an. Hier bieten sich durchaus auch Möglichkeiten. Für ungünstig hält Friso Noordhoek den Zeitpunkt, um als deutsches Unternehmen auf eigenem Fuß den Nachbarmarkt zu betreten.
In den Niederlanden existiert eine Verpackungssteuer, die sowohl die Verminderung der Verpackungsmenge als auch die Verwendung umweltfreundlicher Verpackungen vorantreiben soll. Das Gesetz verpflichtet grundsätzlich den Verursacher von Verpackungsmüll, die Kosten für dessen Beseitigung zu tragen. Die Verpackungssteuer wird nur für Firmen fällig, die in den Niederlanden umsatzsteuerpflichtig sind. Desweiteren ist die Steuer nur von Unternehmen zu zahlen, die mehr als 50 t Verpackungen pro Jahr in Verkehr bringen. Die Deutsch-Niederländische Handelskammer (http://www.dnhk.org) stellt ein Merkblatt zur Verpackungssteuer bereit und hilft bei Fragen rund um das Thema weiter. Ab 1.1.13 wird die 2008 eingeführte Verpackungssteuer wieder abgeschafft. Stattdessen sollen Produzenten, Importeure und Verkäufer von verpackten Produkten zukünftig die Kosten für Sammlung und Recycling der Verpackungen tragen.
Entwicklungsspielraum bei der Organisation der Müllentsorgung bietet sich im Bereich Textilien. Bislang werden diese nicht separat entsorgt, sondern zusammen mit dem Restmüll. Genauso erforderlich findet Friso Noordhoek von Afvalonline eine Veränderung bei der Einsammlung von Verpackungsabfällen. Die genaue Vorgehensweise ist hier vor allem von den politischen Entwicklungen und den Vereinbarungen zwischen Regierung und Wirtschaft abhängig. Es könnten durchaus Systemveränderungen stattfinden, die wiederum Anlagen, Kapazität und technische Entwicklungen beeinflussen würden.
Ein EU-Abfallranking der Europäischen Kommission zeigt große Unterschiede im Abfallmanagement der Mitgliedsstaaten. Die Niederlande belegen eine Spitzenposition. Die Ampelwertung zeigte dem Nachbarland lediglich einmal die "rote Karte", und zwar in punkto Entkoppelung des Abfallaufkommens vom Verbrauch.
Kommunaler und Haushaltsabfall in den Niederlanden (in Mio. kg)
| 2008 | 2009 | 2010 | 2011*) | |
| Kommunaler Abfall | 10.453 | 10.323 | 10.063 | 10.184 |
| darunter | ||||
| Haushaltsabfall | 9.211 | 9.059 | 8.868 | 8.961 |
| Papier | 1.124 | 1.077 | 1.063 | 1.045 |
| Glas | 349 | 345 | 351 | 348 |
| Textilien | 69 | 65 | 68 | 68 |
| Elektro | 81 | 82 | 84 | 85 |
| Holz | 342 | 326 | 323 | 327 |
| Bauschutt | 432 | 429 | 431 | 412 |
*) vorläufige Daten
Quelle: CBS
Industrieabfall in den Niederlanden 2010*) (in Mio. kg)
| Produkt | |
| Ungefährliche Abfallstoffe | 18.609 |
| .Metalle | 773 |
| .Glas | 48 |
| Papier/Karton | 689 |
| .Kunststoffe und Gummi | 162 |
| Holz | 444 |
| .Textilien und Leder | 26 |
| .tierische/pflanzliche Stoffe | 6.452 |
| Sludge/Schlämme | 2.222 |
| Mineralien | 6.416 |
| Chemische Abfallstoffe | 1.381 |
*) vorläufige Daten
Quelle: CBS
Die Anzahl der illegal verschrotteten Altautos ist in den Niederlanden 2011 gestiegen. Der Verband Auto Reycling Nederland (ARN) teilte mit, dass sein Marktanteil an Verschrottung und Demontagen 2011 um 4% auf 82,6% zurückgegangen ist. Da sich die Anzahl der Altautos in diesem Zeitraum nicht signifikant verändert hat, ist davon auszugehen, dass Demontagen ohne die notwendigen Genehmigungen und somit illegal erfolgten.
Produktion/Branchenstruktur
Die niederländische Branchenstruktur unterscheidet sich von der deutschen nach Aussagen von Friso Noordhoek von Afvalonline vor allem in der Gewichtung von öffentlichen und privaten Akteuren. Während in Deutschland ein bedeutender Anteil öffentlicher Unternehmen aktiv ist, dominieren in den Niederlanden private Anbieter. Im Privatsektor existieren in den Niederlanden weniger Größenunterschiede der verschiedenen Branchenfirmen als in Deutschland.
Die Entsorgung und Rückgewinnung von kommunalen Abfällen obliegt per Gesetz den Kommunen und wird durch Regiebetriebe sowie in sehr seltenen Fällen durch Public Private Partnerships (PPP) durchgeführt.
Weitere Informationen liefert der Verband der kommunalen Dienstleister VGN (http://www.vgn.nl). Private Dienstleistungsunternehmen dominieren die Entsorgung der Industrie, siehe dazu den Branchenverband der Abfallwirtschaft (http://www.verenigingafvalbedrijven.nl). Die Wiedergewinnung von Sekundärstoffen aus Bauabfällen sind in der Branchenvereinigung Recycling of Construction and Demolition Waste (http://www.brbs.nl) organisiert und einsehbar.
Im Bereich der Behandlung von festen und flüssigen Abfallstoffen geben neben vielen kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) einige größere in- und ausländische Firmen den Ton an.
Geschäftspraxis
Besondere Hürden für Ausschreibungen bestehen nicht. Die Vergabepraxis im öffentlichen Sektor orientiert sich an den Vorschriften der EU und gilt als transparent und fair. Ausschreibungen für kommunale und nationale Entsorgungsvorhaben finden ab der vorgeschriebenen Grenze EU-weit statt. Hinweise finden sich auch bei der Royal Association for Refuse and Cleaning Management (NVRD). Ausschreibungen kommunaler und staatlicher Auftraggeber im Bereich von Kunststoffrecycling und Verpackungsabfällen führt die private Stiftung Nedvang durch. Ausgeschlossen von den Ausschreibungen ist die Mülleinsammlung, die kommunal erfolgt.
Networking spielt eine große Rolle im niederländischen Geschäftsleben. So bietet sich der Besuch von Fachveranstaltungen auch in kleinerem Rahmen an. Dazu gehören Konferenzen wie die jährlich stattfindende Abfallkonferenz ( HYPERLINK "http://www.afvalconferentie.nl" t "_blank" http://www.afvalconferentie.nl) und die jährliche Fachveranstaltung "Recycling" (http://www.evenementenhal.nl/gorinchem/home). Weitere Kontakte sind auf deutschen Fachmessen möglich, auf denen niederländische Branchenfirmen oft präsent sind.
Kontaktadressen
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Bezeichnung |
Internetadresse |
Anmerkungen |
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AHK Niederlande |
Anlaufstelle für deutsche Unternehmen |
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Ministerium für Infrastruktur und Umwelt |
zuständig auch für die Abfallwirtschaft |
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NL Agency / Agentschap NL, |
Planung und finanzielle Förderung von Abfallprojekten |
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Environmental Equipment and Techniques Suppliers Association (VLM) |
Verband der Hersteller von Recyclinganlagen und -maschinen |
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Foundation Nederland van Afval naar Grondstoff (Nedvang) |
Verband der Wirtschaft zur Wiederverwertung von Verpackungsabfällen |
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Dutch Waste Management Association / Vereniging Afvalbedrijven |
Verband der Entsorgungsunternehmen |
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Royal Association for Refuse and Cleaning Management (NVRD) |
Verband der Kommunen und kommunalen Dienstleister der Abfallwirtschaft |
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Recycling of Construction and Demolition Waste (BRBS) |
Branchenvereinigung, Recycling von Bauabfallstoffen und Abbrucharbeiten |
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Auto Recycling Nederland (ARN) |
Verband Wiederverwertung Kfz |
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AfvalOnline |
Branchenmagazin |
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Cleantechholland |
Internetportal zur Recycling- und Umweltbranche |







