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10.12.2012
Recycling- und Entsorgungswirtschaft in Frankreich: 7 Mrd. Euro für Modernisierung
Paris (gtai). Frankreich modernisiert Schritt für Schritt sein Abfallmanagement. Für den Zeitraum 2009 bis 2015 sind für die Umsetzung rund 7 Mrd. Euro veranschlagt. Der gesamte Umsatz der Recyclingbranche stieg 2011 um 16% auf 13,2 Mrd. Euro. Das Investitionsvolumen erhöhte sich ebenfalls um 16% auf 661 Mio. Euro. Der Trend zur Konsolidierung und Diversifikation in der Branche hält an. Dadurch eröffnen sich auch Einstiegschancen für deutsche Unternehmen in Form von Partnerschaften oder Übernahmen.
Marktentwicklung/-bedarf
Frankreich arbeitet an der Modernisierung seiner Entsorgungswirtschaft auf Basis eines Vierjahresplans von 2009 bis 2012. Die Schwerpunkte bestehen darin, das Müllaufkommen zu reduzieren, mehr verwertbare Abfälle zu recyceln, eine höhere Verwertungsquote von Bioabfällen zu erreichen, Hausmüll effizienter zu behandeln und Abfälle aus der Bauwirtschaft besser zu bewältigen. Für die Instandhaltung und Modernisierung der Infrastruktur sollen im Zeitraum 2009 bis 2015 vom öffentlichen Sektor und der Privatwirtschaft gemeinsam über 7 Mrd. Euro ausgegeben werden.
Frankreich produziert eine Abfallmenge von 770 Mio. t pro Jahr (2009). Die größten Erzeuger sind die Land- und Forstwirtschaft (49%) sowie das Baugewerbe (33%) vor der Industrie (14%, davon 0,8% gefährlicher Abfall), den privaten Haushalten (4%) und den Gemeinden (1%). Der Großteil der recycelten Stoffe stammt aus Industrie und Handel, während verwertbare Abfälle aus Haushalten und Kleinunternehmen noch unzureichend genutzt werden. Das Aufkommen an Haushaltsabfällen pro Kopf hatte 2004 seinen Höhepunkt erreicht und sinkt seitdem wieder. Für 2009 gibt die Umweltagentur Ademe die durchschnittliche Menge mit 374 kg an.
Der von den öffentlichen Entsorgungsunternehmen gesammelte Abfall wurde im Jahr 2009 wie folgt entsorgt oder verwertet: thermische Verwertung (29,0%), Deponierung ungefährlicher Abfälle (26,4%), stoffliche Verwertung (20,6%), biologische Behandlung (14,5%), Deponierung von Inertabfällen (4,2%) und Verbrennung ohne Energieerzeugung (1,6%). Die Entsorgungsinfrastruktur in Frankreich umfasst 261 Deponien für ungefährliche Abfälle, 129 Verbrennungsanlagen, rund 800 Kompostierungsanlagen und über 300 Sortieranlagen für Hausmüll. Bis 2015 werden mehrere Anlagen geschlossen, was die Erweiterung bestehender oder den Bau neuer Anlagen erfordert.
Recycling in Frankreich 2008 (in 1.000 t, Recyclingquote in %)
| Aufkommen | Sammlung | Recycling | Recyclingquote | |
| Eisenmetalle | 17.878 | 12.789 | 7.949 | 44,5 |
| Nichteisenmetalle | 1.684 | 1.192 | 712 | 42,3 |
| Aluminium | 1.031 | 625 | 468 | 45,4 |
| Kupfer | 387 | 282 | 91 | 23,5 |
| Blei | 112 | 202 *) | 91 | 81,3 |
| Zink | 154 | 83 | 62 | 40,3 |
| Papier und Pappe | 9.404 | 6.899 | 5.677 | 60,4 |
| Glas | 5.392 | 2.269 | 2.365 | 43,9 |
| Kunststoffe | 5.111 | 1.025 | 251 | 4,9 |
| Holz | 17.878 | 12.789 | 7.949 | 44,5 |
*) der Wert des gesammelten Bleis liegt über dem Wert des Aufkommens, da noch Altbestände von vor 2008 in die Sammlung eingingen
Quelle: Umweltagentur Ademe
Der Umsatz der Recyclingindustrie in Frankreich stieg 2011 um 16% auf 13,2 Mrd. Euro. Im Verlauf des letzten Jahrzehnts hat sich das Geschäftsvolumen in etwa verdoppelt. Im Durchschnitt betrug die jährliche Wachstumsrate 8,5%. Rund 47,4 Mio. t Abfälle wurden 2011 gesammelt und dem Recycling zugeführt, was gegenüber dem Vorjahr einen Anstieg um 7,7% bedeutet. Daraus wurden 44,3 Mio. t recycelte Rohstoffe gewonnen - deutlich mehr als in den Vorjahren (2008: 37 Mio. t; 2009: 35 Mio. t; 2010: 41 Mio. t). Die Wiederverwertungsquote hat sich im letzten Jahrzehnt kontinuierlich von 76% auf 93% verbessert.
Zweifelsohne profitiert die Industrie von der umweltpolitischen Vorgabe, die Recyclingquote für Unternehmensabfälle bis 2012 auf 75% anzuheben. Bremsend wirken die in Anbetracht der schwachen Konjunktur in der 1. Jahreshälfte 2012 gegenüber 2011 gesunkenen Abnahmepreise für Rohstoffe. Während Produktion und Handel von verwerteten Rohstoffen auf Jahresbasis in der Menge um 4% zulegten, sank gleichzeitig der Umsatz um ebenfalls 4%. Nach Produktgruppen aufgeschlüsselt verzeichneten Kunststoffe (+14%), Eisen und Stahl (+7%) sowie NE-Metalle (+6%) mengenmäßig die größten Verkaufszuwächse. Der Absatz von Papier und Pappe aus Recycling (-5%) ging ebenso zurück wie jener von Glas (-6%) und Holzpaletten (-9%).
Wichtige Investitionsprojekte in der Abfallwirtschaft Frankreichs (Investitionssummen in Mio. Euro)
| Unternehmen | Investitionssumme | Projekt |
| Symevad | 48 | Erneuerung der Müllverbrennungsanlage für 86.000 t/Jahr bis 2015; Nord-Pas-de-Calais |
| Cauval Industries | 16 | Zwei weitere Anlagen zur Verwertung von Altmöbeln in Mantes-la-Jolie und Bar-sur-Aube bis Ende 2014 |
| Buitex | 15 | Gewinnung von Fasern aus Holzplatten zur Herstellung von Isolierplatten; Umsetzung bis Frühjahr 2013 |
| Ventron Confection | 12,5 | Wiedergewinnung von Baumwolle und Polyester aus Bett- und Tischwäsche, 25 t/Tag; Umsetzung bis 2015 |
| Paprec | k.A. | Erweiterung des Recyclings von Elektrogeräten und Elektronik, Umstellung der Verfahren auf Flachbildschirme bis ca. 2016 |
Quelle: Wirtschaftstageszeitung Les Echos
Die gesamten Investitionen der Recyclingindustrie beliefen sich 2011 auf 661 Mio. Euro gegenüber 570 Mio. Euro im Jahr 2010 und 445 Mio. Euro 2009. Die Investitionsneigung scheint mittelfristig weiterhin relativ hoch zu bleiben. Der Frühjahrsumfrage unter den Branchenunternehmen 2012 zufolge planen 36% der Befragten neue Anschaffungen. Unter diesen wollen 56% in den Bereichen Maschinen, 44% in Expansion und Modernisierung von Anlagen, 32% in neue Fahrzeuge und 19% in IT-Ausrüstungen investieren.
Um Forschung und Entwicklung im Recycling und in der Wiederverwertung zu intensivieren, hat Frankreich 2010 in der Region Nord-Pas-de-Calais einen Pôle de compétitivité (Kompetenzzentrum) für diesen Bereich unter dem Namen Pôle Team2 geschaffen. Das Ziel dieses Clusters besteht in der Verbesserung der Recycelbarkeit und Nutzung von aufbereiteten Rohstoffen in Industrieprodukten. Voraussetzungen für die Integration sekundärer Rohstoffe sind die Analyse der Produktlebenszyklen und die Entwicklung neuer Technologien. Aber auch andere Kompetenzzentren tangieren den Bereich der Wiederverwertung, wie etwa Ecorevia (innovative Rohstoffe), Axelera (Chemie und Materialien), IAR (Industries & Agro-Ressources), Plastipolis (Kunststoffe) oder Techtera (Materialforschung).
Produktion / Branchenstruktur
Der französische Branchenverband Federec repräsentiert über 1.300 Unternehmen mit 32.800 Beschäftigten. Die gesamte Recyclingindustrie zählt 2.150 Akteure, die überwiegend in mehreren Zweigen gleichzeitig aktiv sind, darunter in der Verwertung von Eisen und Stahl (639), NE-Metallen (622), Papier und Pappe (382), Kunststoffen (346), Industrieabfällen (314), Fahrzeugen (273), Holzabfällen (172), Textilien (59), Glas (79), Chemikalien (36) sowie Federn und Daunen (16). Der Anstieg der Beschäftigung in der Recyclingbranche hat sich 2012 verlangsamt, immerhin 25% der Betriebe des Sektors jedoch wollen neue Mitarbeiter einstellen.
Der in den letzten Jahren zu beobachtende starke Trend zur Konzentration und Diversifikation setzt sich weiter fort. So hat sich die Anzahl der Unternehmen in den letzten 13 Jahren nahezu halbiert. Im Jahr 1999 bestanden noch 4.100 Betriebe. An der Spitze der Industrie stehen die beiden Weltmarktführer Veolia Environnement und Sita-Suez sowie mit Derichebourg, Paprec und Séché drei auch auf europäischer Ebene bedeutende Firmen. Dahinter folgt eine Vielzahl von kleinen und mittleren Familienunternehmen. Parallel sank der Anteil monostrukturierter Betriebe von 52% auf 16%, während jener der Firmen mit drei und mehr Zweigen von 10% auf 63% stieg.
Die lahmende Konjunktur in Europa wirkt sich derzeit auch auf die Recyclingunternehmen negativ aus, da die geringere Nachfrage aus der Industrie die Preise für wiedergewonnene Rohstoffe sinken lässt. Das Volumen wieder verwerteter Abfälle geht europaweit zurück. Suez rechnet mit stagnierenden Umsätzen 2012 und will rund 40 Mio. Euro an Kosten einsparen. Zehn Anlagen sollen zumindest temporär angehalten werden, teilte das Unternehmen im Juli mit. Veolia Environnement befindet sich nach einer langen Phase ungebremster Expansion mit einem größeren Programm zur Umstrukturierung ebenfalls auf Rückzugskurs. Für die Jahre 2012 und 2013 wurden Investitionen im Wert von rund 500 Mio. Euro eingefroren. Im operativen Bereich will Veolia 2013 zwischen 220 Mio. und 270 Mio. Euro einsparen, bis 2015 nochmals 450 Mio. bis 500 Mio. Euro.
Im Rahmen des Programms zur "erweiterten Verantwortung der Hersteller" (responsabilité élargie du producteur; REP) werden sukzessive immer mehr Branchen eingebunden in die Sammlung und Wiederverwertung von Rohstoffen, die in ihre Produkte eingeflossen sind. In mehreren Bereichen wurden aufgrund europäischer Richtlinien oder französischer Gesetze verpflichtende, in weiteren Feldern freiwillige Ziele vereinbart. Zur ersten Gruppe gehören unter anderem Elektro- und Elektronikabfälle, Batterien, Altautos, Medikamente, Lösungsmittel, Kühlflüssigkeiten und Verpackungen. Auf nationaler Ebene eingeschlossen sind beispielsweise Reifen, Möbel, Textilien und Haushaltschemikalien. Freiwillige Vereinbarungen bestehen beispielsweise für pflanzliche Heilstoffe, Druckerpatronen oder Verpackungen von Saatgut und Düngemitteln.
Mit der Ausweitung der Wiederverwertung gewann der französische Abfallmarkt in den letzten Jahren für ausländische Branchenunternehmen zunehmend an Attraktivität. Größere Investitionen realisierten unter anderem Wellmann France Recyclage (Verdun), Freudenberg Politex (Colmar) und Sorepla/Envipco (Neufchâteau). Gut im Markt positioniert ist auch die spanische Firma Urbaser und die niederländische Ecore Gruppe mit dem Unternehmen Guy Dauphin Environnement (GDE).
Geschäftspraxis
Besondere Hürden bei der Auftragserlangung für deutsche Unternehmen existieren in Frankreich nicht. Die Ausschreibungspraxis für Arbeiten, Dienstleistungen und Lieferungen folgt den EU-Direktiven. Wichtige Hinweise zu neueren Entwicklungen der Abfallwirtschaft finden sich auf der Website der Umweltagentur Ademe (http://www.ademe.fr/dechets).
Im innergemeinschaftlichen Warenverkehr der EU sind die Regelungen des Umsatzsteuer-Kontrollverfahrens in der EU zu beachten. Informationen hierzu finden sich auf der Internetseite des Bundeszentralamtes für Steuern (http://www.bzst.bund.de). Hinsichtlich der Normierung gelten die einschlägigen EU-Richtlinien. Siehe hierzu zum Beispiel die Website des Deutschen Instituts für Normung e.V. (http://www.din.de).
Kontaktadressen
| Bezeichnung | Internetadresse | Anmerkung |
| AHK Frankreich | http://frankreich.ahk.de | Anlaufstelle für deutsche Unternehmen |
| Ministère de l'Écologie, du Développement durable et de l'Energie | http://www.developpement-durable.gouv.fr | Ministerium für Umwelt, nachhaltige Entwicklung und Energie |
| Agence de l'Environnement et de la Maîtrise de l'Énergie (Ademe) | http://www.ademe.fr | Umweltagentur |
| Fédération des Entreprises de Recyclage (Federec) | http://www.federec.org | Verband der Recyclingunternehmen |
| Groupement Français des papetiers utilisateurs de papiers recyclés (Revipap) | http://www.revipap.com | Vereinigung der Papierverwerter |
| Usine Nouvelle | http://www.usinenouvelle.com | Magazin mit Schwerpunkt Industrie |
| Pollutec | http://www.pollutec.com | führende Umweltmesse in Lyon und Paris |
Verfasser: Dr. Marcus Knupp, Paris (August 2012)
Mit freundlicher Genehmigung zur Veröffentlichung von der Germany Trade and Invest – Gesellschaft für Außenwirtschaft und Standortmarketing mbH.







