10.04.2012

Recycling zwischen Notwendigkeit und Ökonomie - Rückgewinnung fördern

Für viele Stoffströme haben die Recyclingunternehmen in Deutschland funktionierende Märkte aufgebaut. Sie führen hochwertige Sekundärrohstoffe in den Rohstoffkreislauf zurück und stellen die Versorgung der produzierenden Unternehmen sicher. Dass der Schrottanteil an der Rohstahlerzeugung in der EU bei fast 60 Prozent liegt und die Produktion von Papier und Pappe zu über 70 Prozent auf Altpapier basiert,  sind nur zwei von vielen Erfolgsgeschichten. Sekundärrohstoffe schonen primäre Rohstoffquellen, vermeiden Transporte über weite Strecken, verhindern die Zerstörung von Ökosystemen durch den Abbau und sparen CO2 ein. Doch es gibt es noch viel zu tun.



Rohstoffe von morgen sichern – Schon heute Umwelt und Ressourcen schützen

Für manche Sekundärrohstoffe, wie zum Beispiel seltene Erden, wird es erst mittel- bis langfristig funktionierende Märkte geben. Aktuell fehlt einfach noch die Nachfrage, da die Primärrohstoffe aus den Minen noch so günstig sind, dass ein Recycling zu wirtschaftlichen Bedingungen nicht möglich ist. Denn auch die Rückgewinnung ist schwierig und aufwendig, so dass zunächst an geeigneten Verfahren geforscht werden muss.  Langfristig wird der Bedarf an diesen technologisch notwendigen Metallen eher steigen und das Recycling so an Bedeutung gewinnen.
 
Auch andere Stoffströme, zum Beispiel manche Kunststoffe, werden zum Teil in Deutschland, noch stärker aber auch in anderen Ländern nicht recycelt, weil  etwa die Entsorgung über die Müllverbrennung billiger ist. Eine Verschwendung, die sich ein ressourcenarmes Land nicht leisten sollte und die sich in der Zukunft rächen könnte, so die Einschätzung von bvse-Hauptgeschäftsführer Eric Rehbock.

Auf dieses Dilemma machte im Rahmen der bvse-Jahrestagung in Dresden auch Prof. Dr.-Ing. Thomas Pretz aufmerksam. Recyclingunternehmen stünden unter dem Zwang, wirtschaftlich zu arbeiten. Andrerseits müssten zum Schutz von Umwelt und Ressourcen Wertstoffe recycelt werden. Dieses Spannungsfeld der Sekundärrohstoffrückgewinnung zwischen Ökonomie und Notwendigkeit sei nur schwer aufzulösen. Klar sei aber: „Eine Gesellschaft zahlt immer einen Preis: Entweder einen ökologischen, weil sie auf eine funktionierende Kreislaufwirtschaft verzichtet und Umweltschäden und Ressourcenschwund in Kauf nimmt oder einen ökonomischen, weil sie in den Aufbau einer Kreislaufwirtschaft investiert.“ In diesem Zusammenfang fordert Rehbock: „Die Recyclingwirtschaft in Deutschland braucht Rahmenbedingungen, die es ihr noch besser als heute ermöglichen, die Rohstoffe von morgen zu sichern und damit schon heute einen Beitrag zum Schutz von Umwelt und Ressourcen zu leisten.“

Wertschätzung von Sekundärrohstoffen ist Triebfeder für Kreislaufwirtschaft

Der Schlüssel für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft liegt nach Meinung von Pretz in der Wertschätzung, die eine Gesellschaft dem Recycling entgegenbringt. So förderten viele Länder den Aufbau von Sortier- und Verarbeitungskapazitäten, weil sie die Bedeutung der Kreislaufwirtschaft für Umwelt und Wirtschaft erkannt haben. Die Wertschätzung unterscheide sich im internationalen Vergleich jedoch stark und hänge nicht zwingend vom Entwicklungsstand ab. So seien in New York noch im Jahr 2002 Recyclingaktivitäten gestoppt worden, weil die Kosten von getrennter Einsammlung und Verwertung höher waren als die der Deponierung. Zehn Jahre später hat man sich entschieden, die Recyclingaktivitäten doch auszubauen, da man nun ökonomische Vorteile sah. Anstatt eine kontinuierliche Entwicklung voranzutreiben, verlor man also viel Zeit und Geld.

Unter diesen Umständen sei es jedoch enorm schwierig, angesichts der globalen Materialströme die Vision eines internationalen Recyclingsystems und einer hundertprozentigen Kreislaufwirtschaft zu realisieren. Es brauche einen weltweiten gesellschaftlichen Konsens über die Bedeutung von Sekundärrohstoffen und Recycling um den ökologischen Erfordernissen gerecht zu werden, so das Fazit von Pretz.




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