07.05.2012

Kanadas Kommunen wollen Abfallproblem in Angriff nehmen

Sammelquote von Wertstoffen soll erhöht werden / Von Boris Alex

Toronto. (gtai) - Die kanadischen Städte und Gemeinden wollen mehr Geld in die Abfallbehandlung investieren. Ziel ist die Erhöhung der Sammelquote, die derzeit im Landesdurchschnitt bei 25% liegt. Schätzungen zufolge könnten bis zu 65% des Hausmülls einer Wiederverwertung zugeführt werden. Auch im "waste to energy"-Segment sind umfangreiche Investitionen zu erwarten. Mit Hilfe von Deponieentgasung soll nicht nur Strom erzeugt, sondern auch die Treibhausgasemissionen gesenkt werden. Damit soll zudem das Ziel der kanadischen Regierung, bis 2020 den Ausstoß von Treibhausgasen gegenüber 2005 um 17% zu senken, auch auf kommunaler Ebene unterstützt werden.

Nach Informationen der Federation of Canadian Municipalities‎ (FCM) gaben die Städte und Gemeinden 2010 zusammen 2,6 Mrd. kanadische Dollar (kan$; rund 2 Mrd. Euro; 1 Euro = 1,29 kan$, Jahresdurchschnittskurs 2010) für die Abfallbehandlung aus. Bis 2014 soll sich dieser Betrag auf 3,7 Mrd. kan$ erhöhen, so die Prognose des Kommunenverbandes. Die Gemeinden haben sich zum Teil ehrgeizige Ziele beim Recycling von Hausmüll gesetzt.

Dass hier noch erhebliches Verbesserungspotenzial besteht, zeigt die derzeitige Sammelquote. Diese liegt kanadaweit bei gerade einmal 25%. Laut FCM könnten jedoch bis zu 65% der Abfallmenge recycelt werden. Die kanadischen Haushalte produzieren jedes Jahr rund 35 Mio. t Abfall. Davon sind 30% Papier- und Pappererzeugnisse, 26% Glas, Metall und andere Wertstoffe und 9% Plastik - also Abfall, der nicht auf Mülldeponien landen müsste, würden die Kommunen mehr in die Abfallbehandlung investieren.

Eine Reihe von Gemeinden konnte ihre Sammelquoten in den letzten Jahren erheblich steigern. Die Metropolregion Vancouver an der kanadischen Westküste sammelt inzwischen 55% der Wertstoffe ein und hat sich zum Ziel gesetzt, die erste "Zero Waste"-Gemeinde des Landes zu werden - in Zukunft soll also kein Müll mehr auf Deponien landen. Die Stadt Halifax an der Ostküste hat derzeit ebenfalls eine Sammelquote von 55% und möchte diese auf 60% erhöhen, einige Städte erreichen bereits Werte von 70%.

Beim kommunalen Abfallmanagement stehen vor allem das Recycling und die Müllentsorgung - entweder auf Deponien oder in Müllverbrennungsanlagen - im Mittelpunkt. Aber auch bei der Müllvermeidung - beispielsweise durch entsprechend Verordnungen zu Produktverpackungen - sind positive Entwicklungen zu beobachten. Ein Beispiel hierfür ist das geplante Verbot von Plastiktüten im Einzelhandel in Kanadas einwohnerstärksten Stadt Toronto. Bislang erheben die Geschäfte eine Gebühr von 0,05 kan$ pro Einheit, künftig soll der Handel nur noch Papiertüten ausgeben dürfen.

Das Einsammeln der Wertstoffe ist von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich geregelt. In den meisten Städten existiert ein Mülltrennsystem für Recycling- und Restmüll. Daneben werden regional auch Biomüll und saisonal Gartenabfälle gesondert eingesammelt. Daneben gibt es zentrale Wertstoffhöfe. Einige Provinzen - wie Quebec und Ontario - erheben Pfand auf bestimmte Getränkeverpackungen wie Bierflaschen. Die Provinzregierung von Quebec plant derzeit, eine Verdopplung des Pfands auf 0,10 kan$ und eine Ausweitung auf sämtliche Getränkeverpackungen.

Die Kommunen sehen vor allem bei den Mülldeponien erhebliches Potenzial für ein verbessertes Abfallmanagement. Derzeit landen jedes Jahr 26 Mio. t Hausmüll auf den Deponien. Die Betriebskosten liegen bei 500 Mio. kan$ pro Jahr. Etwa 22 Mio. t des jährlichen Deponieabfalls sind laut FCM biologisch abbaubar und erzeugen rund 13 Mio. t CO2 per annum. Angesichts der Ziele der kanadischen Regierung, die Treibhausgasemissionen bis 2020 gegenüber dem Stand von 2005 um 17% zu senken, bieten die Deponien eine gute Möglichkeit, den CO2-Ausstoß weiter zu senken.

Die Unternehmensberatung Enviro Economics hat in einer Studie aus dem Jahr 2010 rund 140 Mülldeponien identifiziert, die sich zur aktiven Deponieentgasung eignen. Derzeit gibt es etwa 80 Anlagen, allerdings wird nur bei einem Drittel das Methangas zur Strom- oder Wärmeerzeugung genutzt, während in den meisten Müllhalden das Gas verbrannt wird. In der Provinz Ontario wird die Stromerzeugung aus Deponiegas im Rahmen des Einspeisgesetzes für erneuerbare Energien gefördert. Derzeit liegt der Tarif für Anlagen mit einer Leistung mit bis zu 10 MW bei 0,11 kan$ und für Anlagen mit mehr als 10 MW bei 0,10 kan$ pro kwh.

Auch der Bau von Müllheizkraftwerken wird künftig noch stärker gefördert. Die Regierung hat in ihrem Haushaltsentwurf für das laufenden Finanzjahr 2012/13 (1.4. bis 31.3.) vorgeschlagen, die Sonderabschreibungen für Ausrüstungen zur Wärmeerzeugung aus Abfall und -brennstoffen auszuweiten. Künftig kann eine Neuanschaffung über zwei Jahre zu je 50% abgeschrieben werden - unabhängig von der Verwendung der Ausrüstung. Bislang galten die Sonderabschreibungen nur für Anlagen zur Erzeugung von Industriewärme. Auch Anlagen zur Abfallverbrennung für die Erzeugung von Fernwärme kommen in den Genuss der Sonderabschreibungen.

Allerdings bleibt die Müllverbrennung in Kanada ein "heißes Thema". Laut der Canadian Energy From Waste Coalition gibt es in im Land lediglich acht Müllheizkraftwerke, in denen etwa 3% des Hausmülls verbrannt werden. Die letzten Anlagen wurden vor 15 Jahren in Betrieb genommen. Erst in den letzten zwei Jahren ist es einigen Kommunen gelungen, neue Projekte - häufig gegen den Widerstand der Bevölkerung - auf den Weg zu bringen, unter anderem in Vancouver sowie in Clarington und Durham in der Provinz Ontario.

Einen guten Überblick über aktuelle Trends und Geschäftschancen in der kanadischen Abfallwirtschaft bietet die "Canadian Waste & Recycling Expo", die vom 14. bis 15.11.12 in Toronto stattfindet. Die Messe wird von einer dreitägigen Fachkonferenz begleitet. Weitere Informationen zu Veranstaltungen sind unter http://www.cwre.ca sowie http://www.canwastesectorsymposium.ca abrufbar.



Mit freundlicher Genehmigung zur Veröffentlichung von der Germany Trade and Invest – Gesellschaft für Außenwirtschaft und Standortmarketing mbH.

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