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04.11.2012
Umwelthilfe wirft ALDI und REWE Verbrauchertäuschung vor
Tragetaschen aus Bioplastik bestehen zu mehr als zwei Dritteln aus Erdöl und werden weder kompostiert noch recycelt
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Mit ihren angeblich kompostierbaren Einkaufstüten geben die Handelsunternehmen Aldi und Rewe ihren Kunden das Gefühl, einen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten. Recherchen der Deutschen Umwelthilfe e.V. (DUH) ergaben jetzt, dass die als ökologisch beworbenen Plastiktüten weder umweltfreundlich sind noch kompostiert werden.
„Aldi und Rewe versuchen den Verbraucher für dumm zu verkaufen, indem man ihn glauben lässt, durch den Kauf der Tüten Gutes zu tun. Doch die angeblich ‚grünen‘ Plastiktüten helfen der Umwelt nicht, im Gegenteil. Sie werden nicht kompostiert, lassen sich auch nicht recyceln und bestehen hauptsächlich aus Erdöl“, kritisiert Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH. Resch fordert deshalb von Aldi und Rewe, die Verbrauchertäuschung unverzüglich zu beenden und auf umweltfreundlichere Alternativen umzustellen.
Besonders interessant ist, dass sie laut Herstellerangaben überhaupt nicht für die Eigenkompostierung geeignet sind. In industriellen Kompostierungsanlagen werden sie gemeinsam mit herkömmlichen Plastiktüten als Störstoffe aussortiert, um Plastikreste im Kompost zu vermeiden.
„Das Recycling biologisch abbaubarer Kunststoffmischprodukte, wie die Aldi- und Rewe-Tüten, bleibt in der Realität ebenfalls eine Fantasie. Denn als biologisch abbaubar bezeichnete Biokunststoffe aus Haushalten lassen sich nicht werkstofflich recyceln“, erklärt die DUH-Bereichsleiterin für Kreislaufwirtschaft Maria Elander.
Das bestätigt auch Dr. Thomas Probst, Kunststoffexperte beim bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung: „Bioplastik sorgt für große Probleme beim Kunststoffrecycling. Die Biokunststoffe mindern aufgrund ihrer chemischen Zusammensetzung die Qualität der Recyclate."
So führt der Eintrag von Biokunststoffen beim Kunststoffrecycling zu deutlichen Nachteilen. Das Waschwasser verschmutzt erheblich, da die Biokunststoffe hier zerfallen und einen idealen Nährboden für Mikroorganismen bilden. Das Waschwasser muss dann öfter ausgetauscht oder mit einem deutlich größeren Aufwand gereinigt werden.
Darüber hinaus können beim Waschen die herkömmlichen Kunststoffe mit einem Film aus Biokunststoffen überzogen werden, der dann bei den weiteren thermischen Umsetzungsprozessen in die Kunststoffe einbrennt. Die Recyclate werden schwarz und können kaum noch verkauft werden.
Gelangen die Biokunststoffe in Kunststoffbauteile, die beim Recycling hergestellt werden, wie beispielsweise Rasengittersteine, Kunststoffpfähle und Kunststoffpaneele oder –bretter, so verändern sie deren Stabilität nachteilig! Wenn vermehrt Bioplastik in Umlauf gebracht wird, müssten diese daher ausgeschleust werden. Das aber, so erläutert Probst, würde zu erheblich erhöhten Anlagen- und Verfahrenskosten führen.
„Am Ende bleibt dann oft nur noch der Weg in die Müllverbrennung und das ist sicher nicht im Sinne des Umweltschutzes. Um es ganz klar zu sagen: Wir sperren uns nicht gegen Biokunststoffe, aber sind strikt gegen Etikettenschwindel. Für alle Kunststoffarten muss die gleiche Messlatte gelten: Das Recycling, nicht die Verbrennung, muss die erste Verwertungsoption sein“, betont der Kunststoffexperte.
Bildquelle: Deutsche Umwelthilfe, bvse








