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04.10.2011
Marktvolumen in Abfallwirtschaft bei 8 Mrd. US$
Privater Sektor soll Indiens wachsendes Müllproblem lösen
Von Boris Alex
New Delhi (gtai) - Der Wirtschaftsboom auf dem indischen Subkontinent bringt nicht nur mehr Wohlstand, sondern auch immer höhere Müllberge mit sich. In den Ballungszentren soll die Abfallmenge um jährlich 5% zunehmen. Schon heute sind die Kommunen mit der Aufgabe völlig überfordert und hoffen auf eine Kooperation mit der Privatwirtschaft. Tatsächlich verdienen immer mehr Unternehmen Geld mit Dienstleistungen rund um die Abfallwirtschaft. Deren Marktvolumen wird auf 8 Mrd. US$ geschätzt. (Kontaktanschrift)
Der zunehmende Wohlstand in Teilen der indischen Gesellschaft lässt auch die Müllberge wachsen. Allein in den 423 Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern fallen nach Schätzungen des Ministry of Urban Development (MoUD) jeden Tag rund 83.000 t Abfall an, davon knapp die Hälfte in den 35 Millionenstädten des Landes. Damit halten die Ballungszentren einen Anteil am gesamten indischen Müllaufkommen von etwa 73%. Und die Situation in den Städten verschärft sich: Denn bis 2024 soll sich die Abfallmenge pro Tag und Kopf von heute 0,4 auf 0,6 kg erhöhen.
| Einwohnerzahl | Anzahl der Städte | Abfallmenge pro Tag (in t) | Anteil am nationalen Müllaufkommen (in %) |
| Über 4 Mio. | 7 | 21.000 | 18,3 |
| 1 Mio. bis 4 Mio. | 28 | 19.643 | 17,1 |
| 100.000 bis 1 Mio. | 388 | 42.635 | 37,1 |
| Insgesamt | 423 | 83.278 | 72,5 |
Um das wachsende Müllproblem in den Griff zu bekommen, setzen die Kommunen verstärkt auf die Beteiligung des Privatsektors und konnten hier in den letzten Jahren bereits eine Reihe von Vorhaben erfolgreich realisieren. Doch nach Einschätzung der National Solid Waste Association of India (NSWAI) gibt es nach wie vor zu wenige bankfähige Projekte, denn die Zahlungsbereitschaft der indischen Haushalte für eine geregelte Müllentsorgung ist gering.
Die Nachfrage nach privaten Dienstleistungen rund um die Abfallbehandlung dürfte sich in den nächsten Jahren dennoch positiv entwickeln. Branchenschätzungen zufolge liegt das Marktpotenzial bei rund 8 Mrd. US$ jährlich. Allerdings können sich die professionellen Anbieter mit einem Umsatzvolumen von 500 Mio. $ bislang nur ein kleines Stück vom Kuchen sichern. Dieses wächst allerdings mit jedem Jahr, denn die privaten Unternehmen dringen in immer mehr Bereiche der Müllentsorgungs- und Verwertungskette vor.
Die Regierung hat das Potenzial einer Zusammenarbeit mit dem Privatsektor bei der Abfallbehandlung inzwischen erkannt und setzt gezielt auf Public Private Partnership (PPP). Ende 2010 befanden sich in ganz Indien 72 PPP-Projekte mit einem Investitionsvolumen von knapp 70 Mrd. indische Rupien (iR; rund 1,1 Mrd. Euro; 1 Euro = 62,07 iR) in unterschiedlichen Implementierungsstadien. Weitere 17 Vorhaben mit einem Volumen von 21 Mrd. iR befinden sich laut MoUD derzeit "in der Pipeline" und dürften in den nächsten Monaten ausgeschrieben werden.
Einer der größten Akteure auf dem Markt ist Ramky Enviro Engineers Ltd. (REEL) aus dem südindischen Hyderabad. Das Unternehmen war - wie die meisten Private Player - zunächst im Bereich Sondermüllentsorgung (industrielle Giftstoffe, Krankenhausabfall) aktiv, hat aber inzwischen seine Geschäftstätigkeit auf die Behandlung von städtischem Haushaltsmüll ausgedehnt und plant nun den Einstieg ins Recycling-Geschäft. Unternehmensangaben zufolge betreut REEL derzeit rund 65 Build Operate Transfer (BOT) Vorhaben mit einem Projektvolumen von 35 Mrd. iR.
Auch die Energiegewinnung aus Abfall - "Waste to energy" - findet auf dem Subkontinent immer mehr Anhänger. Die Regierung hofft, hiermit zwei Fliegen, die wachsenden Müllberge und das ebenfalls hohe Energiedefizit, mit einer Klappe zu schlagen. In der Hauptstadt New Delhi befindet sich die erste große Müllverbrennungsanlage mit einer Leistung von 20 MW in der Planung. Hier sollen künftig knapp 2.000 t der jeden Tag anfallenden 6.000 bis 8.000 t Haushaltsmüll verbrannt werden und so Strom für 600.000 Haushalte liefern.
Die Anlage wird als PPP gemeinsam mit dem Infrastrukturkonzern Jindal ITF entwickelt und soll etwa 2 Mrd. iR kosten. Der Anteil von "Waste-to-energy" an der gesamten Stromerzeugung liegt laut Frost & Sullivan derzeit bei nur 1%. Der Marktforscher sieht hier jährliche Zuwachsraten von 12% bis 2013. Kritiker befürchten allerdings, dass die Infrastruktur rund um die Müllverbrennungsanlagen in den wenigsten Städten ausreicht, um diese wirtschaftlich zu betreiben.
Zum einen ist die Müllsammlung in den meisten Ballungszentren nach wie vor in der Hand des nicht-organisierten Sektors mit seinen Hunderttausenden von Müllsammlern und Tausenden von Zwischenhändlern, so dass eine zuverlässige Versorgung der Müllverbrennungsanlage logistisch schwer zu bewerkstelligen ist. Hinzu kommt, dass der Brennwert des indischen Hausmülls aufgrund des geringen Papier- und Plastikgehaltes, der nur etwa ein Drittel des Volumens ausmacht, sehr niedrig ist.
Es bleibt abzuwarten, ob der wirtschaftliche Betrieb einer "Waste-to-energy"-Anlage unter diesen Vorzeichen möglich ist. Auch das "Co-processing" - also die Energieerzeugung aus Abfall für den Produktionsprozess - ist in Indien bislang kaum verbreitet. Im Jahr 2009 wurden etwa 100.000 t Abfall dem "Co-processing" - vor allem in der Zementherstellung - zugeführt. Weil die Müll produzierenden Unternehmen nicht bereit sind, dafür zu zahlen, dass ihr Abfall entsorgt wird, lohnt sich für die potenziellen Abnehmer die Investition in die teure Anlage nicht.
National Solid Waste Association of India (NSWAI)
25, Unique Industrial Estate, Veer Savarkar Marg, Prabhadevi, Mumbai - 400 025
Tel.: 0091 22/29 20 75 77, Fax: -29 20 29 51
E-Mail: nswai@envis.nic.in, Internet: http://www.nswai.com
(B.A.)
Mit freundlicher Genehmigung zur Veröffentlichung von der Germany Trade and Invest – Gesellschaft für Außenwirtschaft und Standortmarketing mbH.





