Altölverwertung in der Diskussion
Wir befragen den Altölexperten des bvse, Herrn Dr. Thomas Probst zur Situation der Altölverwertung in Deutschland.
Frage: Es wird von interessierter Seite beklagt, dass zuviel Altöl verbrannt wird. Als Verband, der die stoffliche Verwertung hoch hält, müsste Sie das doch aufschrecken?
Thomas Probst: Das ist eine Fehleinschätzung. Ich halte das System der Altölsammlung und -aufbereitung in Deutschland für eine große Erfolgsgeschichte. Mit ausgeklügelten und differenzierten Strukturen schaffen wir es, den Anteil der Aufbereitung, trotz insgesamt rückläufiger Mengen, auf hohem Niveau zu stabilisieren. Wir liegen damit deutlich über dem EU-Durchschnitt. Das ist ein gemeinsamer Verdienst von Sammlern und Raffinerien, den man nicht kleinreden sollte.
Frage: Die EU-Abfallhierarchie verlangt aber doch den Vorrang des Recyclings?
Thomas Probst: Wie gesagt. Wir recyceln Altöl und sind damit europaweit Spitze. Die Forderung wird immer wieder vom Verband der Raffenerien vorgetragen.Das ist aber nur ein Vorwand. In Wirklichkeit geht es darum, dass die Raffenerien sich ihre beherrschende Marktstellung sichern wollen. Derzeit gibt es in Deutschland nur neun Raffinerien, die das Altöl aufbereiten, aber rund 100 Entsorger, die Altöl sammeln. Wenn die Entsorger dazu verpflichtet würden, das Altöl den Raffinerien anzudienen’, hätte das mit einem funktionierenden Markt nichts mehr zu tun. Das Oligopol der Raffinerien würde ihnen die Konditionen diktieren.
Frage: Aber könnte dann nicht mehr Altöl aufbereitet
werden?
Thomas Probst: Nein, genau das ist der Trugschluss. Denn die Raffinerien können nur die guten Altölqualitäten aufbereiten. Auch sie würden die schlechteren Qualitäten letztlich der Verbrennung überlassen.
Herr Probst, Vielen Dank für das Gespräch.




