2. bvse-Altholztag

Stoffliche Verwertung von Altholz muss Vorrang haben


Raunheim/Bonn. "Die Novelle des Kreislaufwirtschaftsgesetzes soll einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, Ressourceneffizienz und Recycling zu stärken. Dabei soll, nach der Leitentscheidung des europäischen Gesetzgebers,  dem Recycling ein Vorrang eingeräumt werden. Dieser Vorrang ist offensichtlich auch notwendig, da schon heute Überkapazitäten in der Verbrennung eine stoffliche Verwertung ausbremsen". Das erklärte bvse-Hauptgeschäftsführer Eric Rehbock vor den Teilnehmern des 2. Altholztages, der Ende Juni, unter Beteiligung des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), in Raunheim bei Frankfurt/Main stattfand.

Eric Rehbock: "Jeder der eine Sortier- und Aufbereitungsanlage betreibt, konnte in den vergangenen Jahren spüren, wie sich der Zwang zur Auslastung der Verbrennung auf die Wirtschaftlichkeit zur stofflichen Aufbereitung ausgewirkt hat. Warum qualitätsgesichert aufwendig sortieren, wenn der Weg in die Müllverbrennungsanlage nah und günstig ist, dachte sich so mancher und schaltete seine Aufbereitungsanlage zwischenzeitlich ab. Die Situation entspannte sich aufgrund der guten konjunkturellen Entwicklungen in 2010 zwar wieder leicht, Entwarnung kann bis heute allerdings nicht gegeben werden."

Dr. Frank Petersen vom Bundesumweltministerium, nahm diesen Ball durchaus auf. Er betonte, dass die Zielrichtung des Gesetzentwurfes der Bundesregierung laute: “Mehr Recycling, nicht mehr thermische Verwertung." Er verwies beim 2. bvse-Altholztag darauf, dass bei einem Heizwert des Abfalls von 11.000 kJ/kg der Gleichrang zwischen energetischer und stofflicher Verwertung widerleglich vermutet werde. Trotz hohen Heizwertes könne eine stoffliche Verwertung durch die Behörde erzwungen werden, wenn dies die bessere Verwertungsart sei. Umgekehrt könne der Abfallbesitzer mit der gleichen Argumentation jedoch auch eine energetische Verwertung durchführen, wenn der Abfall einen Heizwert unterhalb von 11.000 kJ/kg habe.

Nutzungskaskade durchsetzen

Das allein reicht dem bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V. zur Sicherung des Recycling-Vorrangs jedoch nicht aus, wie Andreas Habel in seinem Vortrag betonte. Der bvse-Referent warnte davor Rohstoffe leichtfertig zu verbrennen wenn sie noch stofflich genutzt werden könnten.Habel verwies darauf, dass die privaten Unternehmen der Abfallwirtschaft Verwertungstechnologien entwickelt und aufgebaut hätten, die es ermöglichen, aus stofflich nutzbarem Altholz hochwertige Sekundärrohstoffe herzustellen. Es sei längst eine Industrie mit ausgeprägten Wertschöpfungsketten entstanden.

Habel: "Um diese Techniken anwenden zu können, sind diese Anlagen aber auf gesicherte Stoffströme hinsichtlich Quantität und Qualität angewiesen. Daher sprechen wir uns für die Kaskadennutzung von Holz aus. Althölzer, die aufgrund ihrer Beschaffenheit letztendlich nicht mehr stofflich recycelt werden können, gehören in hochwertige thermische Prozesse, wie speziell auf diesen Stoffstrom ausgerichtete Biomassekraftwerke oder Kraftwerke mit hoher Energieausbeute."

Hier pflichtete Dr. Peter Sauerwein, Geschäftsführer der Deutschen Holzwerkstoffindustrie e.V. bei. Er wies darauf hin, dass die Mehrfachnutzung schon immer praktiziert wurde. Deshalb sei die Kaskadennutzung erste Wahl aller Nutzungsstrategien. Zusätzliche Holzpotenziale als Beitrag zur Bewältigung der Energiewende stehen seiner Meinung nach jedenfalls nicht zur Verfügung. Dies gelte nicht nur für Deutschland, sondern europaweit und auch weltweit. Aufgrund der zunehmend knapper werdenden Ressource Holz müsse dessen Verwendung effizienter und ressourcenschonender als bisher erfolgen. Von daher setzte er sich dafür ein, dass Subventionen zur direkten Verbrennung gestoppt werden müssten.

Eine Nutzungskonkurrenz zwischen stofflicher und energetischer Nutzung räumte Daniel Hölder vom Bundesverband Bioenergie e.V. durchaus ein. Nach seiner Aussage bestehe diese Konkurrenz aber hauptsächlich im Bereich der Wärmebereitstellung (Scheitholz), im Bereich der Stromerzeugung sehe er dagegen keine Nutzungskonkurrenz. Hölder begrüßte für seinen Verband, dass die Förderung von Bioenergieanlagen, die Altholz verwenden, eingestellt wird. Er betonte jedoch auch, dass Holz und feste Biomasse einen bedeutenden Beitrag zur umweltfreundlichen und nachhaltigen Stromversorgung leisten.

Die Märkte in Deutschland, Österreich und der Schweiz

Unter Leitung von Naemi Denz, stellvertretende VDMA-Geschäftsführerin, beschäftigte sich der 2. Altholztag auch mit den aktuellen Marktentwicklungen in Deutschland und Österreich. Peter Altmann von der Fritz Egger GmbH machte deutlich, dass die Verwertungskapazitäten das Altholzaufkommen von etwa 6,5 Millionen t./Jahr in Deutschland übersteigen. Das mache Importe nach Deutschland zwingend notwendig. Die Verfügbarkeit von Altholz schwanke zwischen Sommer und Winter sehr stark.



 

 

 

 

 

 

 

Das sei ein Phänomen, so Altmann, welches durchaus auch für den Österreichischen Markt zutreffe, der ein Altholzaufkommen von 500.000 bis 600.000 t/Jahr aufweise. Altholzaufkommen und der Bedarf  der genehmigten Verwertungsanlagen stünden zwar in einem etwa ausgewogenen Verhältnis, jedoch beeinträchtige die verbreitete illegale Verbrennung von Altholz das Marktgeschehen, was immer wieder zu Engpässen führe.

Ganz anders sehe, nach Aussage von Peter Altmann, die Marktsituation in der Schweiz aus. Auch hier gebe es zwar ein Altholzaufkommen von ca. 600.000 t/Jahr, doch ein Großteil dieser Menge werde exportiert. Hauptabnehmer sei hier Italien. In der Schweiz werde der Auf- und Ausbau der thermischen Verwertung von Altholz vorangetrieben. Im Winter werden signifikante Mengen den Kehrichtverbrennungsanlagen zugeführt.

Qualität sichern mit einer VDI-Richtlinie

Prof. Dr.-Ing. Uwe Görisch griff in seinem Vortrag die Qualitätssicherung im Bereich der Altholzverwertung auf. Er beklagte, dass es keine allgemein anerkannten Standards geben würde. Das führe in der Praxis zu einem sehr unterschiedlichen Vollzug der zuständigen Behörden in den Bundesländern und damit teilweise zu gravierenden Wettbewerbsverzerrungen. Dies betreffe sowohl die Genehmigungspraxis von Anlagen, als auch deren Überwachung. Als einen möglichen Ausweg aus diesem Dilemma stellte Görisch die Möglichkeit vor, eine VDI-Richtlinie zu erarbeiten, um so einen anerkannten Standard für die Branche zu setzen. Hieran könnten sich nicht nur die Unternehmen ausrichten, sondern ebenfalls die Vollzugsbehörden und Gerichte. Seine Empfehlung: "Entweder regeln andere uns, oder wir regeln vorausschauend selbst", stieß in der sich anschließenden Diskussion jedoch nicht nur auf Zustimmung. So wurde die Befürchtung geäußert, dass durch ein neues Regelwerk, auch neue Bürokratie und neue Schwierigkeiten auf die Betriebe zukommen könnten.

 

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